{"id":487,"date":"2018-02-26T13:39:51","date_gmt":"2018-02-26T12:39:51","guid":{"rendered":"http:\/\/school-for-life.org\/?page_id=487"},"modified":"2019-08-06T12:28:29","modified_gmt":"2019-08-06T10:28:29","slug":"tagebuecher-juergen-zimmer","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/school-for-life.org\/de\/medien\/tagebuecher-juergen-zimmer\/","title":{"rendered":"Tageb\u00fccher &#8211; Aufzeichnungen J\u00fcrgen Zimmer"},"content":{"rendered":"<h3>Tageb\u00fccher &#8211; Aufzeichnungen von J\u00fcrgen Zimmer \u00fcber die School for Life Chiang Mai<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>14. Februar bis 15. M\u00e4rz 2012<\/h4>\n<p><strong>14. Februar<\/strong><\/p>\n<div align=\"justify\">\n<p>Wer in den Wald des K\u00f6nigs will, um die School for Life zu finden, biegt vom Highway, der von Chiang Mai nach Chiang Rai und weiter nach Mae Sai zur burmesischen Grenze f\u00fchrt, nach rechts ab. Nach einigen Hundert Metern kommt eine Kontrollstelle. Kontrolliert wird dort eigentlich niemand; es ist nur so, dass der Schlagbaum hochgezogen und ein Gru\u00df ausgetauscht wird. Die schmale Stra\u00dfe f\u00fchrt an einem kleinen See vorbei, einem Wasserreservoir, dessen Spiegel je nach Jahreszeit steigt und f\u00e4llt. Die Stra\u00dfe geht \u00fcber einen unbefestigten Weg. Der Schlamm wird zur Regenzeit von den R\u00e4dern hochgeschleudert, w\u00e4hrend in der Trockenzeit je nach Tempo eine Staubfahne hinter dem Wagen hochsteigt.Das beste Gef\u00e4hrt in dieser Gegend ist ein Pickup. Man sieht Pickups mit Menschen\u00adtrauben vollgepackt, mit Kisten oder Ballen beladen, die meterhoch \u00fcber die Fahrerkabine hinausragen, so dass ich in Kurven den Sicherheitsabstand vergr\u00f6\u00dfere, weil mir bange ist, dass ein solches Wolkenkratzergef\u00e4hrt vor mir nicht nur wild schwankt, sondern auch umkippt. Noch abenteuerlicher beladen werden Motorbikes, leichte Motorr\u00e4der, die jeden Autofahrer zwingen, immer wieder in die Seitenspiegel zu schauen: drei oder vier Personen auf einem Motorbike und noch ein Baby dazwischen geklemmt? \u201eNo problem!\u201c Irgendein Warenturm hinter dem Fahrer, den er mit dem einen Arm festh\u00e4lt, w\u00e4hrend er mit dem anderen Arm am Lenker Kurs zu halten sucht? \u201eAlso no problem!\u201cAber irgendwie gibt es doch ein Problem. Wenn zu den Grundthemen von Thai Popsongs \u201efalling in love\u201c, \u201ebroken heart\u201c, \u201eI\u2019m open for someone\u201c auch \u201eaccident by motorbike\u201c geh\u00f6rt, dann ist damit Ungl\u00fcck im weiten wie im konkreten Sinn gemeint. Wir empfehlen Volont\u00e4ren, ihre Motorbikes defensiv zu fahren und auf das hei\u00dfe Auspuffrohr zu achten, das schmerzhafte Verbrennungen am Unterschenkel verursachen kann.Auf der kleinen Stra\u00dfe durch den Wald des K\u00f6nigs ist es ruhig. Das Tempo verlang\u00adsamt sich. Ein Schild weist zur \u201eSchool for Life\u201c. Nach drei Kilometern eine Links\u00adkurve. Die Farm mit dem Namen \u201eSuan Suoi Fha Sai\u201c \u2013 \u201eLichter Himmel \u00fcber sch\u00f6nem Garten\u201c \u2013 taucht auf. Kinder kommen gerannt, lachen, gr\u00fc\u00dfen mit einem Wai, wollen das Gep\u00e4ck tragen, und ich finde: Es ist alles noch so wie zuvor. Und ich f\u00fchle mich zu Hause.<\/p>\n<p><strong>15. Februar<\/strong><\/p>\n<p>Gegen 4:30 Uhr der erste Hahnenschrei. Kurz darauf setzt das kollektive Geheul der Hunde ein, obwohl kein Vollmond zu sehen ist. Es bricht, als h\u00e4tte der Blitz einge\u00adschlagen, unvermittelt ab. Ein \u201eKl\u00e4ff\u201c eines einzelnen Hundes hinterher zeigt keine Wirkung. Es ist wieder ruhig.<\/p>\n<p>Um 6:00 Uhr wird die Tempelglocke geschlagen. Aufwachen! Der Morgen zieht herauf. Um 7:00 Uhr wird es lebhaft. Jedes Kind geh\u00f6rt zum \u201ecleaning the campus\u201c-Team. Die gro\u00dfen trocknen Bl\u00e4tter der Teakb\u00e4ume werden aufgesammelt, die sich aufgeh\u00e4ufelt zur Pilzzucht verwenden lassen. Besen werden geschwungen, Stimm\u00adgewirr und Kinderges\u00e4nge aus allen Ecken des Campus.<\/p>\n<p>Gegen 9:00 Uhr kommt Kru Ya angerannt, die als stellvertretende Schulleiterin schon viele Jahre dabei ist. Sie reibt sich die Arme und sch\u00fcttelt sich. Sie hat eine G\u00e4nse\u00adhaut. Ich frage sie, ob ihr kalt ist. Nein. Es sei ein Geist im Schulb\u00fcro. Vor dem Fenster sei das schemenhafte Gesicht eines unbekannten Kindes erschienen. Alle dort anwesenden Lehrer h\u00e4tten den Raum fluchtartig verlassen. Und in der Tat, alle sind im Freien. Ein Laptop wird gebracht. Auf dem Bildschirm ein Foto: Man sieht von hinten den Kopf und die Schulter einer am Tisch sitzenden Lehrerin und drau\u00dfen an der Scheibe jenes undeutlich erkennbare Gesicht.<\/p>\n<p>Inzwischen hat sich der Vorfall bei den Kindern herumgesprochen. Eine dichte Traube umringt den Laptop, der auf einem Tisch vor dem Farmhaus steht. Ich spreche mit Kru Ya dar\u00fcber, dass in zwei Tagen eine Zeremonie vor den vier Geisterh\u00e4uschen geplant sei, die sich \u00fcber das Gel\u00e4nde verteilen. Kru Ya sagt, sie habe den Geist selbst gesehen, nicht nur auf dem Foto.<\/p>\n<p>Ein paar Stunden sp\u00e4ter kommt Kru Tomsri (\u201aKru\u2018 bedeutet \u201aLehrerin\u2018) und gesteht den Lehrern, dieser Geist sei aus p\u00e4dagogischen Gr\u00fcnden erschienen. Sie habe ihn in ihrem Laptop erzeugt und das Foto aus dem B\u00fcro so erg\u00e4nzt, dass ein Geist zu sehen war. Sie habe den Kindern erkl\u00e4rt, dass sie auf Geister treffen w\u00fcrden, wenn sie weiter sp\u00e4tabends herumliefen, statt ins Bett zu gehen. Jetzt m\u00fcssten die Lehrer die Kinder nicht mehr einfangen; sie w\u00fcrden brav ins Bett gehen. Das sei doch gut so, oder?<\/p>\n<p>Kru Tomsri ist anders als westliche Eltern, die m\u00f6glicherweise unfolgsamen Kindern androhen, der Knecht Ruprecht w\u00fcrde sie holen, woran sie aber selbst nicht glauben. Nein, Kru Tomsri glaubt fest an Geister, und alle anderen Erwachsenen tun das auch, bis auf einen, der an nichts dergleichen glaubt und ohne Geister, Engel, Buddha und die Wiedergeburt auskommen will.<\/p>\n<p><strong>16. Februar<\/strong><\/p>\n<p>Vor etwa sieben Jahren erschienen im \u201eKursbuch\u201c zwei vom Verlag gespendete Comic-Anzeigen. In der einen war ein Mensch im Raumanzug zu sehen und weiter hinten das gelandete Raumfahrzeug. Der Text lautete: \u201eTula Bpor-Wai installiert 2026 die ersten Solarzellen auf dem Mond. Tula Bpor-Wai ist eines von \u00fcber 60 thail\u00e4ndischen Kindern der School for Life\u2026\u201c In einer zweiten Anzeige war ein Mensch im Arztkittel mit einer Spritze in der Hand abgebildet. Der Text: \u201eDarin Sri-ma entwickelt 2028 das erste Heilmittel gegen Morbus Parkinson. Darin Sri-ma ist eines der Kinder der School for Life\u2026\u201c Der Text endet mit einer Empfehlung, das Projekt zu unterst\u00fctzen. Auch wenn Tula keine Solarzellen auf dem Mond bauen und Darin auch nicht das Mittel gegen Morbus Parkinson erfinden wird, so dr\u00fccken beide Comics im Kern doch aus, was wir wollen: Kinder aus dem Schatten der Gesellschaft heraus m\u00f6glichst weit nach vorne bringen.<\/p>\n<p>Heute kam Put, 19, aus Chiang Mai auf die Farm. Er sprach vor den Jugendlichen der 9. Klasse, die sich entscheiden m\u00fcssen, ob sie in die Senior High School im nahege\u00adlegenen Doi Saket oder in ein Vocational College in Chiang Mai gehen oder etwas anderes machen wollen. Er, Put, habe einen Vorschlag: Sie k\u00f6nnten Pferdepfleger werden und entweder in einem Reitstall mit hochklassigen Pferden oder in einer Tierklinik oder in einem Poloclub arbeiten. Put zeigt Fotos anderer Absolventen der School for Life \u2013 zehn haben wie auch er die Ausbildung zum Pferdepfleger absol\u00adviert und verdienen nach kurzer Zeit schon so viel wie Lehrer \u2013, Fotos von edlen Pferden, vom Poloclub in Pattaya, Fotos, wie Pferde bandagiert, aufgez\u00e4umt und ausgeritten werden, Fotos von den Unterk\u00fcnften und der Freizeit der Pferdepfleger \u2013 da ist zum Beispiel Angeln angesagt.<\/p>\n<p>Put, der vor zwei Jahren mit der Ausbildung begann, leitet inzwischen das Projekt auf dem Gel\u00e4nde der Chiang Mai University. Er hat nun ein Stipendium erhalten, um sich in Deutschland im Marbach-Gest\u00fct weiter ausbilden zu lassen und Hufschmied zu werden. Bei Turnier\u00adpferden, und um die geht es in Thailand, ist das ein Beruf, der hohe Anforderungen stellt.<\/p>\n<p>In Thailand ist die Nachfrage nach Pferdepflegern gro\u00df, und die School for Life ist in Zusammenarbeit mit der veterin\u00e4rmedizinischen Fakult\u00e4t der Chiang Mai University die einzige Ausbildungseinrichtung im ganzen Land. M\u00e4dchen werden genauso wie Jungen gesucht. Dominique Leutwiler, General Manager der School for Life, selbst eine passionierte Reiterin, hat das Projekt vor zwei Jahren auf den Weg gebracht. Und es ist ihr anzusehen, wie sehr sie sich \u00fcber Put und Ott und \u00fcber alle freut, die in diesem Beruf etwas aus sich machen wollen.<\/p>\n<p>Ott, 18, war ein \u201abad boy\u2018, der stahl und ins Drogenmilieu abzudriften drohte. Er entwickelte sich nach seiner Ausbildung vom Pferdepfleger zum Polospieler. Der High-end-Poloclub von Pattaya schickt Ott \u2013 er ist ein begabter Reiter \u2013 f\u00fcr einige Monate nach Argentinien, um ihn zum professionellen Polospieler ausbilden zu lassen. Der Club plant, Ott sp\u00e4ter in der thail\u00e4ndischen Nationalmannschaft spielen zu lassen. Das sind \u201abreaking news\u2018 f\u00fcr die School for Life! Vom \u201abad boy\u2018 zum Polospieler, der an internationalen Turnieren teilnehmen wird: eine Geschichte, wie wir sie uns in vielen Varianten w\u00fcnschen.<\/p>\n<p><strong>19. Februar<\/strong><\/p>\n<p>In der Morgend\u00e4mmerung bewegt sich eine kleine Prozession zu den vier Geister\u00adh\u00e4uschen. Jedes beherbergt die Seelen der Ahnen, die heute an einem Tag, an dem viele Geburtstage gefeiert werden sollen, mit Gaben bedacht werden: je zwei gekoch\u00adte H\u00e4hnchen, Mandarinen, Mangos, Saft und Wasser sind auf den Veranden der H\u00e4uschen hergerichtet. Ich begleite \u2013 zu den Geburtstagskindern geh\u00f6rend, f\u00fcr die gegen Abend eine Party veranstaltet werden soll \u2013 die Gruppe der Lehrer auf ihrem Rundgang. Kru Non, Lehrer f\u00fcr klassischen Thai-Tanz, ist der Zeremonienmeister. Vor jedem H\u00e4us\u00adchen wird meditiert, R\u00e4ucherst\u00e4bchen werden entz\u00fcndet und in die Gaben gesteckt.<\/p>\n<p>Die Wanderung \u00fcber das Gel\u00e4nde zeigt die Fortschritte in organischer Landwirt\u00adschaft: mehr Fl\u00e4chen, auf denen angebaut wird, und mehr Dorfleben, vor allem im unteren Teil des Gel\u00e4ndes am Bach, in dem ein kleiner Damm das Wasser staut und Fische gez\u00fcchtet werden. In der N\u00e4he grasen Wasserb\u00fcffel, und Somchart, der Farmer, hat seine H\u00fctte in einen kleinen Bauernhof verwandelt. An einer kleinen Br\u00fccke, die \u00fcber den Bach f\u00fchrt, wohnt Sampan mit seiner Frau. Sampan geh\u00f6rt zum Urgestein der School for Life in Chiang Mai, der Vorarbeiter des Bau- und Instand\u00adhaltungsteams, der 2005 nach dem Tsunami auf dem Gel\u00e4nde der sp\u00e4teren Beluga School for Life die ersten sanit\u00e4ren Anlagen baute, Stromleitungen und Wasserrohre verlegte und sich dort in Noan verliebte, die er heiratete und mit zur\u00fcck in den Nor\u00adden nahm.<\/p>\n<p>Nach der vierten Zeremonie am vierten Geisterh\u00e4uschen drunten an der Br\u00fccke sagt Kru Non zu mir, es g\u00e4be sechs und nicht nur vier, und nun w\u00fcrden wir zum f\u00fcnften und sechsten Geisterh\u00e4uschen gehen. Ich erinnere mich an keine weiteren H\u00e4uschen und denke, es m\u00fcsse sich um neue handeln. Wir laufen vom Bach im \u00f6stlichen Teil des Gel\u00e4ndes zur\u00fcck bis zum Eingang, der sich h\u00fcgelaufw\u00e4rts im Westen befindet und bleiben vor dem Schulb\u00fcro stehen. Vor jenes Fenster, vor dem das geisterhafte Kindergesicht auf dem Bildschirm des Laptops von Kru Tomsri zu sehen ist, wird ein Schemel hingestellt und mit jenen Gaben best\u00fcckt, die auch den Seelen der anderen Geisterh\u00e4uschen gewidmet wurden, und es findet die gleiche Zeremonie statt. Zur Sicherheit wird ein zweiter Stuhl au\u00dfen rechts vom Eingangstor samt Gaben f\u00fcr eine weitere Zeremonie hingestellt. Denn sicher ist sicher. Wer wei\u00df schon, ob es den Tomsri\u2019schen Geist, den Kru Ya auch ohne Computer zu sehen glaubte, nicht doch gibt. Jedenfalls sind die zw\u00f6lf Lehrer der kleinen Prozession davon \u00fcberzeugt. Und mich erinnert das an die Aussage eines Thais, er w\u00fcrde den School for Life-Kalender 2012, der Geisterbeschw\u00f6rungen und Rituale ins Bild setzt, nie aufh\u00e4ngen, denn es k\u00f6nne ja sein, das die Geister aus den Bildern herausk\u00e4men und Unruhe stifteten.<\/p>\n<p>Gegen 9:00 Uhr wird der gro\u00dfe Raum im Farmhaus leerger\u00e4umt und der angrenzende Raum mit den Buddha-Statuen f\u00fcr den Besuch von f\u00fcnf M\u00f6nchen hergerichtet. Geburtstag in Thailand bedeutet, weniger das Geburtstagskind zu feiern als vielmehr dessen Mutter zu ehren. Als sich alle Kinder im Raum versammelt und die M\u00f6nche sich niedergelassen haben, erinnere ich an diesen Brauch und erz\u00e4hle von meiner Mutter. Sie wurde aus ihrer Familie ausgeschlossen, weil sie mit meinem Vater, der sp\u00e4ter in Russland fiel, nicht verheiratet war. Es h\u00e4tte ja sein k\u00f6nnen, dass der Bruder meiner Mutter, Hauptmann und F\u00fcnfk\u00e4mpfer in Vorbereitung auf die nicht mehr stattfindenden Olympischen Spiele von 1940, der alsbald in Frankreich fiel, unehren\u00adhaft aus der Wehrmacht entlassen worden w\u00e4re. Ich erz\u00e4hle, dass wir nach dem Krieg in einem Schuppen ohne Strom und Wasser hausten und ich schimmliges Wei\u00dfbrot, das die Besatzer weggeworfen hatten, sammelte, um die noch guten Stellen davon zu essen. Und ich berichte von den Wochen vor dem Tod meiner Mutter, in denen sie ein Konzert f\u00fcr den Frieden vorbereitete. Mit den Spenden, die bei diesem Konzert gesammelt wurden, haben wir die School for Life gegr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Der Gesang der M\u00f6nche, in den die Kinder einstimmen, das Weihnachtsfest, das thail\u00e4ndische Neujahrsfest Songkran, die Besuche von Tempeln, der Gottesdienst in einer kleinen Holzkirche in der N\u00e4he, der Glaube an die Ahnen: Auf der Farm bilden sich \u00f6kumenische Amalgame aus Suchbewegungen, die zum Frieden zwischen den Religionen beitragen. Ich bin in Sympathie mit den Gl\u00e4ubigen und den sich kreuzenden Religionssplittern und Mythen und auch mit unseren M\u00f6nchen aus dem Tempel von Lamphun. Missionierungsversuche wehren wir ab, ob sie nun von buddhistisch gewandeten Betreibern eines \u201etemple business\u201c oder von fundamental\u00adchristlichen Sekten kommen, die mit aggressivem Marketing den Armen den letzten Baht aus der Tasche holen.<\/p>\n<p>Am sp\u00e4ten Nachmittag beginnt das Fest auf jener Wiese, an deren Rand die thail\u00e4n\u00addische Prinzessin Sirindhorn im Herbst des Jahres 2005 einen Baum gepflanzt hatte. Ein Buffet mit vielen Variationen der nordthail\u00e4ndischen K\u00fcche und dem Gem\u00fcse aus eigenem Anbau ist aufgebaut. Wasan, der Trommler, f\u00fchrt mit seinen Gef\u00e4hrten, die die Becken schlagen und sich in einem wilden Tanz verausgaben, die \u201eDrums of Victory\u201c vor. Es folgen Vorf\u00fchrungen von alten und modernen T\u00e4nzen und als H\u00f6he\u00adpunkt \u2013 es ist dunkel geworden \u2013 der Candlelight Dance von zwanzig M\u00e4dchen, die mit ihren Kerzen Figuren in die Nacht malen, ein Bild der Einheit in der Vielfalt.<\/p>\n<p>Zum Ende dieses Abends wird ein gro\u00dfer, in viele Teile geschnittener Kuchen ver\u00adspeist; er reicht f\u00fcr alle. Dann wird aufger\u00e4umt. Jeder wei\u00df, was er zu tun hat. Ich nehme eine in ihrer oberen H\u00e4lfte kunstvoll geschnitzte Melone mit. Aimee hat sie geschnitzt, die sich daf\u00fcr bedanken will, dass sie f\u00fcr viele Jahre in der School for Life leben und lernen durfte.<\/p>\n<p><strong>21. Februar<\/strong><\/p>\n<p>Anruf von Guillaume Amigues vom World Economic Forum in Genf. Man sei am Konzept der School for Life und an \u201eentrepreneurship education\u201c interessiert. In Istanbul finde im Juni ein Regionaltreffen statt, und das sei eine gute Gelegenheit, das Konzept vorzustellen. 750 Millionen Jugendliche weltweit seien arbeitslos, und dies sei eine gro\u00dfe Herausforderung f\u00fcr den \u00f6ffentlichen und den privaten Sektor. Ich verabrede mich mit meinem Kollegen und Freund G\u00fcnter Faltin \u2013 wir schrieben vor fast zwanzig Jahren das Buch \u201eReichtum von unten\u201c, damals ein Fr\u00fchz\u00fcnder in Sachen Entrepreneurship \u2011, der gerade in Chiang Mai ist: Wir werden ein gemeinsames Dossier f\u00fcr das World Economic Forum entwerfen.<\/p>\n<p><strong>22. Februar<\/strong><\/p>\n<p>Professor Apichai Puntasen, Doyen der buddhistischen \u00d6konomie, zuletzt Dekan an der Ubon Ratchathanee University im Isan, Thailands \u00e4rmster Gegend, hat eine Stu\u00addentin geschickt. Sie hei\u00dft Thip und studiert \u201eSelf-sufficiency Economy\u201c, ein Kon\u00adzept des thail\u00e4ndischen K\u00f6nigs. Es ist die Philosophie vom unabh\u00e4ngigen \u00dcberleben in Krisenzeiten, wie sie Thailand zum Beispiel 1997 erlebte, als die W\u00e4hrung \u00fcber Nacht in den Keller fiel. Apichai (Thais reden sich mit dem Vornamen an) ist Mit\u00adglied im Vorstand der School for Life Foundation und ein Freund und Weggef\u00e4hrte seit drei\u00dfig Jahren.<\/p>\n<p>Thip spezialisiert sich auf organische Landwirtschaft und hat eine Frosch- und eine Pilzzucht angelegt. Es ist ein Pilotprojekt, um Erfahrungen zu sammeln. Die Pilze wachsen in einem Gemisch von Stroh und Schnipseln aus Bananenstauden, das wie ein kleiner Erdwall errichtet, erst mit einer Plastikh\u00fclle und zus\u00e4tzlich mit Stroh\u00adb\u00fcndeln abgedeckt wird \u2013 Pilze wollen es offenbar sehr warm haben.<\/p>\n<p><strong>23. Februar<\/strong><\/p>\n<p>Den gr\u00f6\u00dften L\u00e4rm im Unterricht verursacht eine pensionierte deutsche Lehrerin, Angela Grossmass, die seit zwei Monaten pro bono Englisch \u2013 ja was? \u2013 unterrichtet? Nicht doch: mit \u00e4u\u00dferster Dramatik, mit Musik und Rhythmus Englisch in Fleisch und Blut \u00fcbergehen l\u00e4sst. Die Kinder machen mit vollem Einsatz mit, um danach \u2013 weil sie sich nicht nur mental, sondern k\u00f6rperlich verausgabt haben, am liebsten in Tiefschlaf zu verfallen. Einige tun das auch.<\/p>\n<p>Heute sind die menschlichen K\u00f6rperteile an der Reihe. Die Zweitkl\u00e4ssler geraten in eine Choreographie, die man \u201eau\u00dfer Atem\u201c betiteln k\u00f6nnte. Da wird gesprungen, mit Armen gerudert, Beine werden im rhythmischen Auf und Ab so hoch geschwungen, als wollte die Truppe im Berliner Friedrichstadtpalast auftreten, zugleich werden die K\u00f6rperteile vom Kopf bis zu den Zehen ersungen, und dieses Gemisch aus lauten Ges\u00e4ngen, Gehopse, Gel\u00e4chter und Ratereien, wie dieser oder jener K\u00f6rperteil nun eigentlich hei\u00dft, ist der beste Englischunterricht, der mir unter die Augen gekommen ist. Ein bisschen erinnert er mich an den Franz\u00f6sischunterricht 1948 in der fr\u00fcheren Raubritterburg Hohenfels im einsamen Hinterland des westlichen Bodensees, die die Unterstufe von Salem beherbergte. Wenn Fr\u00e4ulein K\u00f6ppen uns Sextanern den Unterschied zwischen \u201eunter\u201c und \u201eauf\u201c erkl\u00e4ren wollte, kroch sie unter den Tisch oder kletterte auf ihn, und wir bekamen eine Rosine, wenn wir die richtige Antwort geben konnten.<\/p>\n<p>Angela Grossmass ist der rundum \u00fcberzeugende Kontrast zu einem meiner Englisch\u00adlehrer, der in der Untersekunda regelm\u00e4\u00dfig unvorbereitet zum Dienst erschien, uns eine Seite im Englischbuch aufschlagen und ein paar Abschnitte lesen lie\u00df, um sie dann anschlie\u00dfend \u2013 die B\u00fccher waren wieder zugeklappt \u2013 zu diktieren. Woche um Woche, Englisch zum Abgew\u00f6hnen.<\/p>\n<p><strong>24. Februar<\/strong><\/p>\n<p>Kru Tomsri, die Lehrerin, hat ihr kleines Holzhaus in einen Zoo mit Hamstern und Meerschweinchen verwandelt und einen Tag um Tag gr\u00f6\u00dfer werdenden Gem\u00fcsegar\u00adten angelegt. Sie l\u00e4dt jedermann ein, sich von ihr mit Salat und Gem\u00fcse versorgen zu lassen. Die Kinder lieben den Zoo, kommen immer mal wieder vorbei und schauen den Tieren zu.<\/p>\n<p>Nebenan ist Siriporn, die Schulleiterin, mit der Erweiterung ihres Gartens befasst. Setzlinge werden gezogen, und um die St\u00e4mme der Teakb\u00e4ume ranken sich Bohnen. Bei beiden, Tomsri und Siriporn, machen Kinder mit, hacken den trockenen Boden auf, mischen ihn mit organischem D\u00fcnger, w\u00e4ssern ihn, decken die Beete mit Stroh ab und beobachten, wie die Pflanzen wachsen.<\/p>\n<p>Nach und nach werden alle noch nicht genutzten Campusfl\u00e4chen (40 Rai = 6,5 Hektar) in Gem\u00fcsefelder und Obstplantagen verwandelt. \u201eSelf-sufficiency Economy\u201c die Philosophie des K\u00f6nigs und Pioniers der organischen Landwirtschaft, erinnert mich an das Konzept des Julius Nyerere, des gro\u00dfen Staatsmannes und Vision\u00e4rs in Tanzania in den sechziger Jahren: Er nannte es \u201eself-reliance\u201c, das Vertrauen auf die eigene Kraft; er wollte es in den Ujamaa-D\u00f6rfern umsetzen und Schulen in Commu\u00adnity Development einbinden. Seine B\u00fcrokraten leisteten z\u00e4hen Widerstand und \u00fcberlebten ihn.<\/p>\n<p><strong>25. Februar<\/strong><\/p>\n<p>Ankunft von drei\u00dfig Jungen und M\u00e4dchen einer International School aus Bangla\u00addeshis. Sie helfen bei der Renovierung von H\u00e4usern. Farben und Pinsel bringen sie mit, und die Kinder der School for Life erleben einmal mehr, aus wieviel Nationen sich die Sch\u00fclerschaft einer solchen Schule zusammensetzt.<\/p>\n<p>Die International School aus Bangladesch ist nicht die einzige, die den Weg zur School for Life gefunden hat. Die International Schools von Stavanger in Norwegen und D\u00fcsseldorf kommen allj\u00e4hrlich \u2013 sofern nicht gerade die \u201eYellow Shirts\u201c den Flughafen besetzen, die \u201eRed Shirts\u201c die Innenstadt von Bangkok in Beschlag nehmen oder \u00dcberschwemmungen halb Thailand unter Wasser setzen. Wir, im k\u00f6niglichen Wald auf den H\u00fcgeln des Doi Saket, sind weit weg von solchen Ereig\u00adnissen, und niemand muss sich um seine Sicherheit sorgen.<\/p>\n<p>Jedesmal, wenn eine Sch\u00fclerschar nach zwei oder drei Wochen wieder abreist \u2013 die Bangladeshis bilden mit einem zweit\u00e4gigen Aufenthalt eine Ausnahme \u2013 flie\u00dfen Tr\u00e4nen auf beiden Seiten. \u00dcber die sozialen Netzwerke immerhin k\u00f6nnen die Verbindungen aufrechterhalten werden.<\/p>\n<p><strong>27. Februar<\/strong><\/p>\n<p>Lutz Buschh\u00fcter, graduierter Sozialp\u00e4dagoge, der seit mehr als einem Jahrzehnt in Chiang Mai lebt und hier verheiratet ist, kommt, um sich mit zwei deutschen Jugendlichen und ihrem t\u00fcrkischen Betreuer Onursal zu treffen. Die beiden Jungen befinden sich in der letzten Phase eines auf zweieinhalb Jahre angelegten Programms des Jugendhilfswerks Par-ce-val in Berlin-Brandenburg. Dort werden Jugendliche \u201aat risk\u2018, die, wenn man so will, in Richtung Delinquenz fast aus der Kurve geflogen sind, zur\u00fcckgeholt.<\/p>\n<p>Mit Haci Bayram, dem Leiter von Par-ce-val, hatte ich mich zuvor in Berlin getroffen, um den dreimonatigen Aufenthalt der Jugendlichen in der School for Life vorzube\u00adreiten. Mir war Bayrams Idee, Jugendliche in einem ganz anderen sozialen und kul\u00adturellen Setting Erfahrungen sammeln zu lassen, nicht fremd. Die High Seas High School, die mit Sch\u00fclern und Sch\u00fclerinnen der 10. oder 11. Klasse monatelang \u00fcber die Weltmeere segelt, ist ein pr\u00e4gnantes Beispiel daf\u00fcr, Jugendliche nicht zu domesti\u00adzieren, sondern herauszufordern. Wir hatten in der School for Life Volont\u00e4re, die ihren Aufenthalt als Wendepunkt erlebten: einen Abiturienten zum Beispiel, der vor dem Reiseantritt seiner Mutter erkl\u00e4rt hatte, nichts mehr mit ihr zu tun haben zu wollen und nach seiner R\u00fcckkehr zu seiner Mutter sagte, jetzt wisse er, was sie f\u00fcr ihn bedeute und ein neues herzliches Verh\u00e4ltnis zu ihr entwickelte; oder die Sech\u00adzehnj\u00e4hrige, die in die Szene ihrer Stadt abgedriftet war, die Schule zunehmend geschw\u00e4nzt hatte und keinen Sinn mehr im Leben entdecken konnte, und die nach ihrer R\u00fcckkehr mit dem Rauchen und Trinken , mit Drogen und Schulschw\u00e4nzerei aufh\u00f6rte und sich konzentriert auf ihr Abitur vorbereitete. Ihre Geschichte ist in \u201ePolly on the Rocks\u201c verfilmt worden.<\/p>\n<p>Vor ihrer Abreise besprechen die beiden Jugendlichen und Onursal mit mir, was in den drei Monaten gut lief, was wir beim n\u00e4chsten Aufenthalt von Par-ce-val-Jugend\u00adlichen besser machen k\u00f6nnen, und warum sie sich fast zu wohlgef\u00fchlt haben. Denn zum Kern des Rehabilitationsprogramms von Par-ce-val geh\u00f6ren Strenge und Struk\u00adturiertheit der Organisation des Lebens der Jugendlichen. Einer der beiden hat ein unter die Haut gehendes Video-Portrait von Namson gedreht, deren Mutter zu 24 Jahren verurteilt, noch 16 Jahre im Gef\u00e4ngnis von Chiang Mai absitzen muss. In der Reportage \u201eGef\u00e4ngnisbesuch\u201c ist die Geschichte von Namsons Mutter nachzulesen.<\/p>\n<p><strong>28. Februar<\/strong><\/p>\n<p>Der Abt des Tempels von Lamphun, Monkon, ist seit vielen Jahren ein Freund der School for Life. Wenn Menschen zu ihm kommen und sagen, sie wollten aus dem einen oder anderen Grund etwas opfern, dann regt er sie an, 5.000 Baht (125 \u20ac) zu geben, womit er ein Mittagessen in der School for Life finanzieren k\u00f6nne. Die Spen\u00adder k\u00f6nnten vorher nach Anweisung des Abtes alles kochen, dann mitnehmen und mit den Kindern zusammen essen. Die Suppe des Abtes ist bei den Kindern ber\u00fchmt. Sie schmeckt ungew\u00f6hnlich gut. Der Abt und die Besucher, die er mitbringt, staunen, wieviel die Kinder verspeisen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Heute feiert er seinen 60. Geburtstag bei uns. Seine M\u00f6nche und f\u00fcnfzig Verwandte und Bekannte hat er mitgebracht. In der Kantine, einem offenen \u00fcberdachten Raum, versammeln sich alle zum Festmahl. Es ist der sp\u00e4te Vormittag. Nach 12 Uhr mittags gibt es f\u00fcr M\u00f6nche nichts mehr zu essen.<\/p>\n<p><strong>29. Februar<\/strong><\/p>\n<p>Im gro\u00dfen Raum des Farmhauses liegen auf dem Boden gro\u00dfe Bl\u00e4tter, die von vielen kleinen umrahmt werden. Auf den Gro\u00dfen sind die Namen der sieben Centers of Excellence \u201aunder the tree\u2018 verzeichnet (im Unterschied zur Hanseatic \u2013 fr\u00fcher Beluga \u2013 School for Life hat die School for Life keine Geb\u00e4ude daf\u00fcr), und auf den bunten Zetteln stehen die Namen von Projekten, Mini Enterprises und sonstigen Aktivit\u00e4ten, die den Centers zugeordnet werden. Die Schul- und die Familienlehrer (die Mentoren) haben sich versammelt, um das n\u00e4chste Semester zu planen, das von Mai bis September dauern wird.<\/p>\n<p>Zum Center for Organic Farming geh\u00f6ren beispielsweise die Projekte \u201efish farming\u201c, \u201efrog farming\u201c, \u201emushrooms\u201c, \u201ecomposting\u201c, \u201eherbal gardening\u201c, \u201eanimal husbandry\u201c und \u201eplanting vegetables &amp; fruits\u201c.<\/p>\n<p>Dem Center for Culture Sensitive Tourism sind \u201ebe a little guide\u201c, \u201erestaurant management team\u201c, \u201ewhere do I come from\u201c, \u201esoul trekking\u201c, oder \u201ethe forest as a supermarket\u201c zugeordnet.<\/p>\n<p>\u201eBakery\u201c, \u201ecooking Thai food\u201c, \u201ecooking international food\u201c oder \u201ecooking with guests\u201c sind Aktivit\u00e4ten \u201aunder the tree\u2018 des Center for Nutrition &amp; Health.<\/p>\n<p>Besonders viele kleine Zettel umranden das Blatt mit dem Center for Cultural Heritage &amp; Development: \u201eThai &amp; contemporary dance\u201c, \u201eThai music\u201c, \u201eworld music\u201c, \u201eclassical European music\u201c, \u201eJazz dance\u201c, \u201elocal wisdom\u201c, \u201eethnic fashion\u201c, \u201epainting\u201c, \u201efresh flower fashion\u201c, \u201eteaching Buddhism\u201c, \u201eteaching Christianity\u201c, \u201ecomparative understanding of world religions\u201c, \u201eperformance program develop\u00adment\u201c, \u201eteaching the culture of indigenous people\u201c.<\/p>\n<p>Auch das Center for Body and Soul versammelt viele Zettel um sich: \u201eYoga &amp; Thai massage\u201c, \u201efootball for girls\u201c, \u201efootball for boys\u201c, \u201eswimming\u201c, \u201emartial arts for girls\u201c, \u201eThai boxing\u201c, \u201ebasket ball\u201c, \u201emorning exercise\u201c, \u201emeditation\u201c.<\/p>\n<p>\u201eChildren\u2019s World Radio\u201c, \u201esoft &amp; hardware introduction\u201c, \u201ecinema club\u201c, \u201echildren\u2019s journal\u201c und \u201ewhite board\u201c (ein gro\u00dffl\u00e4chiges digitales Fenster zur Welt des Inter\u00adnets) geh\u00f6ren zum Center for International Communication. Und zum Center for Technology, Crafts &amp; Ecology geh\u00f6ren die Zettel \u201emaintenance\u201c, \u201ekeep the campus clean\u201c und \u201ebicycle repair shop\u201c.<\/p>\n<p>Weil nun nicht alles den Centers zugeordnet werden kann, liegt da noch ein Blatt mit dem Titel \u201eOther Essential Activities\u201c, und das wird eingekreist von \u201echildren\u2019s investment bank\u201c, \u201ecommunity shop\u201c, \u201emediation\u201c, \u201emorning ceremony\u201c, \u201efamily day\u201c, \u201echildren\u2019s parliament\u201c, \u201eguardian angels\u201c, \u201enight guardians\u201c und \u201eholiday activities\u201c.<\/p>\n<p>Gegen 18:00 Uhr wird es langsam dunkel. Die Lehrer diskutieren immer noch. Erste Teams bilden sich. Nicht alle Zettel werden sich in Projekte oder Mini Enterprises verwan\u00addeln. Wir werden Schwerpunkte setzen. Einer, dar\u00fcber sind sich alle einige, wird \u201eorganic farming\u201c und \u201eanimal husbandry\u201c sein. Dem Ziel einer \u201eself-sufficiency economy\u201c sind viele H\u00fcrden vorangestellt. Der Situationsansatz, das den Schools for Life zugrunde liegende Konzept, favorisiert ein Lernen in herausfordernden Realsi\u00adtuationen. Auf dem Campus muss man nicht lange nach ihnen suchen. Man stolpert geradezu \u00fcber sie.<\/p>\n<p><strong>1.M\u00e4rz<\/strong><\/p>\n<p>Wie an jedem Schultag wird die Tempelglocke morgens um 8:00 Uhr von einem Kind mit einem Metallstab geschlagen. Einigen einzelnen Schl\u00e4gen folgt ein Stakkato, das wiederum in einzelne Schl\u00e4ge m\u00fcndet. Nun versammeln sich alle auf einem Platz vor der Aula. Dort wird gleich die thail\u00e4ndische Fahne gehisst und die Nationalhymne gesungen. Der ziemlich hohe Aluminiummast ist oben mit einer Rolle versehen, durch die die Schnur l\u00e4uft. Noch h\u00e4ngt die Fahne unten. Heute sind es zwei Sechsj\u00e4hrige, die die Fahne hochziehen. Der Schulsprecher und Master of Ceremony setzt mit dem Gesang ein, und alle singen mit. Je nachdem, wie hoch oder tief der Vors\u00e4nger intoniert, suchen sich die Kinder irgendeine Tonlage aus, die ihnen genehm ist. Darius Milhaud h\u00e4tte seine Freude an diesem polyphonen Gesang gehabt, den alle irgendwie als selbstverst\u00e4ndlich nehmen.<\/p>\n<p>Das M\u00e4dchen und der Junge versuchen, die Fahne so langsam hochzuziehen, dass sie erst mit dem Ende der Nationalhymne oben ankommt. Die Rolle quietscht, einige Hunde geraten in Streit und jagen zwischen den Kindern hin und her, und als die Hymne beendet ist, fehlen noch ein paar Meter Fahnenstange, so dass die beiden Kinder die Fahne jetzt so rasch nach oben ziehen, als sollte sie wie eine Rakete davonfliegen.<\/p>\n<p>Und nun folgt ein Sprechgesang im Wechsel, \u00e4hnlich wie bei den Zeremonien der M\u00f6nche. Dann wird es still. Die Kinder meditieren, und auch die Hunde haben sich beruhigt und liegen im Schatten. Oft wird das Lied der School for Life gesungen. Es beginnt mit \u201eSchool for Life our home, our school \u2026\u201c und endet mit \u201eI have brothers, sisters and friends\u201c.<\/p>\n<p>Noch stehen die Kinder in sechs oder sieben Reihen, links die Kleinen, rechts die Gro\u00dfen, den Blick Richtung Fahne gerichtet. Aber nun wenden sich die Kinder der ersten Reihe denen der zweiten Reihe zu, und beide Reihen begr\u00fc\u00dfen sich mit einem Wai und \u201eSawasdee\u201c. Die Kinder der zweiten und der dritten Reihe begr\u00fc\u00dfen sich, dann die der dritten und vierten Reihe. Und so wird der Gru\u00df weitergeleitet, bis sich alle begr\u00fc\u00dft haben. Zum Schluss gr\u00fc\u00dfen die Kinder die Lehrer, die Volont\u00e4re und oft auch die G\u00e4ste.<\/p>\n<p>Danach bilden sie gro\u00dfe Kreise und es beginnt ein meditativer Tanz in sehr langsa\u00admen Bewegungen, die himmelw\u00e4rts weisen oder der Erde zugewandt sind. Hier l\u00f6st sich das anfangs strikte Zeremoniell auf in ein sanftes, friedvolles Miteinander.<\/p>\n<p>Ich habe fr\u00fcher wenig von Ritualen gehalten. Heute denke ich dar\u00fcber anders. Sie bieten Strukturen in einem durch biographische Katastrophen \u00fcberschatteten Leben. Die Kinder der School for Life lieben Rituale.<\/p>\n<p><strong>2.M\u00e4rz<\/strong><\/p>\n<p>Die School for Life ist mehr als eine Schule. Der schulische Kern, sozusagen der amtliche Teil, besteht aus einer staatlich anerkannten Social Welfare School. Der steht ein \u201aSchool Board\u2018 vor, so wie der School for Life insgesamt das \u201aBoard of the School for Life Foundation\u2018 vorsteht. In beiden Gremien bilden Thais die Mehrheit.<\/p>\n<p>Heute trifft sich das School Board. Ihm geh\u00f6ren unter anderem der Vertreter der obersten Schulauf\u00adsichtsbeh\u00f6rde f\u00fcr Privatschulen an, der B\u00fcrgermeister eines Gemeindeverbandes, die Vertreterin des k\u00f6niglichen Forstprojektes, ein Rechtsanwalt aus dem nahegelegenen Dorf Pongkum, die Schulleiterin und ihre Stellvertreterin sowie ein Familienlehrer anstelle der abwesenden oder nicht existierenden Eltern der Kinder.<\/p>\n<p>Zwei Themen bestimmen die Diskussion dieses Morgens. Erstens: Wie lassen sich Br\u00fccken zwischen dem nationalen Lehrplan und den Projekten und Mini Enterprises bauen, wie kann man F\u00e4cher pl\u00fcndern, um einen Teil ihrer Inhalte in neuem fach\u00ad\u00fcbergreifendem Zuschnitt in die Centers of Excellence zu verlagern? Auf dem Kon\u00adferenztisch in der Schulbibliothek liegen die sieben Bl\u00e4tter mit den Namen der Centers und die vielen kleinen Zettel. Wir diskutieren mit dem Schulaufsichtsbeam\u00adten die Art und Weise, wie man zum Beispiel von 120 Pflichtstunden Mathematik die H\u00e4lfte oder auch mehr verlagern kann und sie gleichwohl z\u00e4hlen, also anerkannt und bewertet werden k\u00f6nnen. In thail\u00e4ndischen Schulen, sagt der Schulaufsichtsbeamte, sei ein so dynamisches Modell, das auf die Anwendung des Wissens in realen Situa\u00adtionen setze, leider noch nicht angekommen. Die Kinder w\u00fcrden in Klassenzimmern gehalten und seien den langen Reden der Lehrer ausgesetzt. Sie w\u00fcrden Stoff aus\u00adwendig lernen und hinterher wieder vergessen.<\/p>\n<p>Zweitens: Die Regierung hat das Mindestgehalt von Lehrern von 8.000 auf 15.000 THB (200\/375 \u20ac) heraufgesetzt. Bezuschusst wird in der Grundschule ein Lehrer auf 25 Kinder, in der Junior High School ein Lehrer auf 20 Kinder. Demnach wird die School for Life den Zuschuss lediglich f\u00fcr f\u00fcnf Lehrer bekommen. Wir haben aber 12 Lehrer, weil nach dem Schulgesetz jede Klasse einen Lehrer haben muss. Der Kin\u00addergarten z\u00e4hlt mit drei Klassen f\u00fcr die Drei-, Vier- und F\u00fcnfj\u00e4hrigen und arbeitet nach den patinierten Vorstellungen des Bildungsministeriums altershomogen (wir nicht). Die Grundschule mit den Klassen eins bis sechs und die Junior High School mit den Klassen sieben bis neun brauchen pro Klasse ebenfalls eine Lehrkraft. W\u00fcr\u00adden wir nur f\u00fcnf Lehrer einstellen, w\u00fcrden wir die Lizenz verlieren. Also wird es in Zukunft f\u00fcnf bezuschusste und sieben Lehrer ohne Zuschuss geben. Zuvor bekamen alle zw\u00f6lf Lehrer staatliche Zusch\u00fcsse. F\u00fcr uns ein bildungspolitisches Vor und Zur\u00fcck.<br \/>\n<strong><br \/>\n5. M\u00e4rz<\/strong><\/p>\n<p>Ankunft von Lena Gr\u00fcber. Lena, 26, studiert in Berlin-Weissensee Kunst im \u00f6ffent\u00adlichen Raum. Nebenbei hilft sie in der Redaktion \u201eBetrifft Kinder\u201c und im \u201everlag das netz\u201c. Ihre Mutter Eva Gr\u00fcber hat sich nach der Wende selbst\u00e4ndig gemacht und Journale und B\u00fccher herausgegeben, die mit p\u00e4dagogischen Betulichkeiten aufr\u00e4u\u00admen und Kinder als Entdecker, Experimentatoren und Konstrukteure ihres eigenen Lebens verstehen. Kein p\u00e4dagogischer \u201eJargon der Eigentlichkeit\u201c (Adorno) entgeht den redaktionellen Argusaugen.<\/p>\n<p>Die Zeitschrift \u201eBetrifft Kinder\u201c ist ein Fan der School for Life, und Lena mit ihrer gro\u00dfen Analog-Kamera ist es auch. Sie sagt, analoge Fotos zu schie\u00dfen, verlange mehr Nachdenken und ein genaueres Abpassen des richtigen Moments. Aber das Problem von Dokumentarfilmern und \u2013fotografen ist eben, dass manche Situationen blitzschnell vorbei sind und sich nicht wiederholen lassen. Also m\u00fcssen sie irgendwie erahnen, was geschehen k\u00f6nnte, und Lena wird in den n\u00e4chsten drei Tagen versu\u00adchen, solche Momente zu erwischen.<\/p>\n<p>Am Nachmittag versammeln sich wieder die Lehrer. Sie bilden drei Gruppen zu drei Themen.<\/p>\n<p>Erstens: \u201aMind Mapping\u2018 im Zusammenhang mit dem Projekt \u201efish farming\u201c. Wenn in einem solchen Projekt Seitenwege eingeschlagen werden, sind das keine Irrwege, sondern Chancen f\u00fcr ein entdeckendes Lernen. Es werden vor allem von den Kindern selbst Landkarten entworfen mit Stationen des besonderen Lerninteresses. Da das Projekt \u201efish farming\u201c nicht acht Stunden am Tag in Anspruch nimmt, besteht jede Menge Gelegenheit dazu.<\/p>\n<p>Und so tauchen Fragen auf und wollen forschend und experimentierend gekl\u00e4rt werden, wie: K\u00f6nnen Fische schlafen? Warum gehen sie nicht unter? Brauchen sie keine Luft? Fische schweben im Wasser, Steine nicht, Holz schwimmt \u2013 warum? Warum sinkt ein Stein in \u00d6l langsamer als im Wasser? Steine sinken und Fische schweben im Wasser \u2013 wieso? Warum k\u00f6nnen V\u00f6gel und Schmetterlinge fliegen? K\u00f6nnen sie auch abst\u00fcrzen? Flugzeuge fliegen auch, wie denn? Warum st\u00fcrzen die manchmal ab, warum segeln sie nicht zu Boden, obwohl sie doch Fl\u00fcgel haben? Wie fliegen Raketen? Und wenn Fische Hunger bekommen, was fressen sie? Wie kriegen sie Babys? Legen sie Eier wie V\u00f6gel? Schwimmen die Eier nicht weg? Warum legen Menschen keine Eier? Was ist \u00fcberhaupt ein Ei? Wenn wir die Fische nicht essen, sondern verkaufen wollen, wo denn und zu welchem Preis? Warum nur 20 Baht f\u00fcr einen Fisch und nicht 200? Geld kann man doch einfach so bekommen, wenn man eine Karte in eine Maschine steckt und Kn\u00f6pfe dr\u00fcckt \u2026 und so weiter.<\/p>\n<p>Zweitens: P:lanung einer mehrt\u00e4gigen Exkursion mit Kindern und G\u00e4sten zu den D\u00f6rfern, aus denen die Kinder kommen. Das Projekt hei\u00dft \u201ewhere do I come from\u201c. Auf Wegen jenseits touristischer Trampelpfade werden die G\u00e4ste die Alltagskultur der Thais und der ethnischen Minderheiten kennenlernen und Freundschaften schlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Drittens: \u201eLocal wisdom\u201c. Was wissen die Alten, und was wissen die Jungen nicht mehr? Wen k\u00f6nnen die Kinder fragen, und wie lassen sich die Erkenntnisse doku\u00admentieren? Die Idee dazu stammt von Eliot Wigginton (USA), der 1966 als junger Lehrer begann, mit seinen Sch\u00fclern Geschichten von alten Menschen zu sammeln. Das geschah in den Appalachians und war die Konsequenz aus der Einsicht Wigginton\u2019s, dass er mit den Methoden, die er zuvor auf der Universit\u00e4t gelernt hatte, bei den Sch\u00fclern fast nichts bewirkte. \u201eThe Foxfire Book\u201c, in mehreren B\u00e4nden in Millionenauflage verkauft, war das Ergebnis der Recherchen der Jugendlichen und ihres Lehrers. Viele, viele Leser wollten wissen, wie man ein Blockhaus oder einen Kamin aus Felsbrocken baut, wie man eine Kaninchenfalle konstruiert oder die Borsten von einem geschlachteten Schwein gewinnt, wie ein selbstgebasteltes Banjo aussieht oder ein R\u00e4ucherofen beschaffen sein muss.<\/p>\n<p>Die Lehrer dieser Gruppe wollen mit den Kindern im weiteren Umkreis der School for Life die weisen alten Menschen finden und zuerst in Erfahrung bringen, wie man ein mit trockenen Bl\u00e4ttern gedecktes Bambushaus baut; sie wollen es nicht nur wis\u00adsen, sondern zusammen mit den Kindern auch bauen, eins zu eins, nicht als verklei\u00adnertes Modell.<\/p>\n<p><strong>6. M\u00e4rz<\/strong><\/p>\n<p>Die Step Stiftung in Freiburg hat die Sportanlagen finanziert, darunter ein gro\u00dfes Fu\u00dfballfeld und einen Basketballplatz. Um 17:00 Uhr ist Fu\u00dfball f\u00fcr M\u00e4dchen ange\u00adsagt \u2013 auf dem Basketballplatz, denn das mit Gras bewachsene Fu\u00dfballfeld flimmert noch in der Hitze, und die Laufwege sind dann doch sehr lang. Zwei kleine Tore stehen unter den K\u00f6rben, und nun wird gedribbelt und geschossen und geschrien und gelacht, und eine kleine Pause tritt immer dann ein, wenn der Ball, von keinem Zaun gehalten, in den umliegenden Weiten verschwindet und erst zur\u00fcckgeholt werden muss. Die Lehrerin Dim, die mit ihrer Statur und Schusskraft ein wenig an den legen\u00add\u00e4ren \u201aBomber M\u00fcller\u2018 vom FC Bayern erinnert, hat vor sieben Jahren in der ersten Frauenfu\u00dfball-Mannschaft von Chiang Mai gespielt. Ihre Stelle wird von der Freibur\u00adger Stiftung finanziert, und so haben wir zum ersten Mal die M\u00f6glichkeit, mit den Zehn- bis Zw\u00f6lfj\u00e4hrigen ein richtiges Team zu bilden.<\/p>\n<p>Auf der Wunschliste stehen auch \u201aMartial Arts\u2018 f\u00fcr M\u00e4dchen. Keine \u201afull contact\u2018-Kampfsportarten, sondern eher t\u00e4nzerische wie das Pencak Silat Indonesiens oder die brasilianische Capoeira. Ziel ist die F\u00f6rderung des Selbstvertrauens der M\u00e4dchen am Beispiel eines Kampfsports, der in ein t\u00e4nzerisches Ritual mit hoher K\u00f6rperbeherr\u00adschung verwandelt werden kann.<\/p>\n<p><strong>7. M\u00e4rz<br \/>\n<\/strong><br \/>\nEin abendlicher Ausflug zum abseits gelegenen Wang Tarn Restaurant mit Trirat Petchsingh, dem Diplomatensohn, Ingenieur, Gr\u00fcnder einer Computerschule, Lehrer an einer Eliteschule in der N\u00e4he Bangkoks, in verschiedenen L\u00e4ndern aufgewachsen, Trirat, der Englisch besser kann als Thai und sich auf einer Website kritisch mit dem Buddhismus auseinandersetzt, Trirat, der Journalist bei \u201eReuters\u201c und \u201eThe Nation\u201c, Autor des Buchs \u201eThai Mangos\u201c mit Kurzgeschichten, Trirat also wird uns verlassen. Er, f\u00fcr \u201eeducation innovation\u201c zust\u00e4ndig, konnte die Lehrer nicht hinter sich versam\u00admeln. Er kommt aus einer ganz anderen Welt. Ich sch\u00e4tze seine Ehrlichkeit, seinen Einsatz die Kinder, seine Bildung, sein Faible f\u00fcr ein experimentierfreudiges natur\u00adwissenschaftliches Lernen, und ich beobachte die Michael Kohlhaas\u2019sche Unerbitt\u00adlichkeit, mit der er sich in Konflikte st\u00fcrzt und sich Gegner schafft. Er sagt, er sei nicht der richtige Mann f\u00fcr diese Aufgabe. Wir finden das beide. Und so sind wir freundschaftlich einer Meinung, dass er in den Ruhestand wechseln und sich um seine T\u00f6chter und deren Unternehmen k\u00fcmmern soll und wird.<\/p>\n<p>Trirat wird abgel\u00f6st von einer Doppelspitze: Manoon Kalapat, zuvor Direktor des Hotel Training Institute der Beluga (jetzt Hanseatic) School for Life, ein freundlicher, erfahrener Leiter von Hotel Management Schools und Hotels, der flie\u00dfend Englisch spricht und in der School for Life einige Monate zuvor als Ground Manager und Leiter des G\u00e4stebereichs zu arbeiten begonnen hat. Er wird nun auch f\u00fcr die Um\u00adsetzung und Weiterentwicklung des p\u00e4dagogischen Konzepts mitverantwortlich sein.<\/p>\n<p>Die andere Person hei\u00dft Dr. Chanmongkol Trisri. Zuvor kannten ihn alle unter dem Namen Charlniwat. Seinen Namen hat er gewechselt, weil Chanmongkol \u201alanges Leben\u2018 bedeutet und das wichtiger wird, je mehr Jahre man z\u00e4hlt. Er war f\u00fcnf Jahre lang Leiter des Center for Organic Farming der Beluga School for Life und ein von den G\u00e4sten sehr gesch\u00e4tzter Geschichtenerz\u00e4hler und F\u00fchrer durch den Dschungel. Chanmongkol will nun im Norden weiterarbeiten. Sein siebzehnj\u00e4hriger Sohn studiert im zwei Autostunden entfernten Chiang Rai und freut sich, dass er seinen Vater \u00f6fter sehen wird.<\/p>\n<p>Chanmongkol wird in der School for Life als \u201eDirector for Organic Farming &amp; Animal Husbandry\u201c arbeiten und mit daf\u00fcr sorgen, dass wir nicht nur dem Ziel landwirtschaftlicher Selbstversorgung n\u00e4her kommen, sondern durch den Anbau hochpreisiger Produkte wie der Cantaloup-Melonen oder der \u201eout-of-season\u201c-Limetten Mittel erwirtschaften. Beraten werden wir dabei von Ex-Senator Mechai, der vor vielen Jahren eine landesweit erfolgreiche Anti-Aids-Aufkl\u00e4rungskampagne organisierte und seither den Spitznamen \u201eMr. Condom\u201c tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Zu den Kabinettst\u00fcckchen von Chanmongkol geh\u00f6rt die Einrichtung einer Schweine\u00adzucht in China mit Schweinen, die nicht stinken. Das war eine Sensation f\u00fcr alle Beteiligten. Denn zuvor hatte es heftigen Streit mit den Besitzern nahegelegener Hotels und den Schweinez\u00fcchtern wegen der Ger\u00fcche gegeben. Als Chanmongkol das Problem gel\u00f6st hatte, waren die Hotelbesitzer so froh, dass sie zu Anteilseignern der Schweinezuchtbetriebe wurden.<\/p>\n<p>Chanmongkol hat auch landwirtschaftliche Betriebe in Israel beraten. Er wei\u00df, wie man Schlangen mit Mungos vertreibt und Katzenfische mit einem toten Hund f\u00fcttern kann, den sie in sechs Stunden bis auf die Knochen verputzen. Er reitet, und wenn er sich einen Hut aufsetzt, sieht er aus wie der Bruder von Charles Bronson. Wir werden geruchsfreie Schweine z\u00fcchten, und wenn mecklenburgische Schweinez\u00fcchter wis\u00adsen wollen, wie sie den Protesten von B\u00fcrgern umliegender Gemeinden entgehen k\u00f6nnen, wird Chanmongkol in Seminaren seine Geheimnisse dann verraten, wenn sie gutes Geld f\u00fcr die School for Life zahlen.<\/p>\n<p>Aber heute hat er ein anderes Problem: Vor einiger Zeit wurde auf Initiative von Trirat der Bach im unteren Teil des Gel\u00e4ndes auf einer L\u00e4nge von etwa zwanzig Metern so ausgebaggert, dass dort Fische gez\u00fcchtet werden k\u00f6nnen. Viele kleine Fische wurden in mehreren Quadratmetern gro\u00dfen Netzk\u00f6rben ausgesetzt. Nun sind sie gr\u00f6\u00dfer geworden, und weil die Netzkonstrukteure die Intelligenz der Fische untersch\u00e4tzt haben, hat Chanmongkol gesehen, wie die Fische mit einem eleganten Sprung die Netzkanten \u00fcberwinden und das Weite suchen. Kein unl\u00f6sbares Problem, aber eines von vielen beim \u201efish farming\u201c.<br \/>\n<strong><br \/>\n8. M\u00e4rz<\/strong><\/p>\n<p>Chalee was here. Schulinspektor, -evaluator und Spezialist f\u00fcr Lehrertraining, dessen Arbeitsorte sich \u00fcber weite Teile Thailands erstrecken. Er findet, dass das Konzept der School for Life, genauer: die Verbindung von nationalem Lehrplan mit den Cen\u00adters of Excellence, f\u00fcr jede Schule gut sei. Chalee trainiert heute die Junglehrer, wie sie zum einen die Br\u00fccken von F\u00e4chern zu den Centers schlagen und zum anderen die unvermeidlichen \u201ecredit points\u201c auch jenseits des Fachunterrichts vergeben k\u00f6nnen. Chalee liebt Bewegung, er ist ein Entertainer, und hasst Klassenzimmer. Das Seminar findet deshalb drau\u00dfen statt.<\/p>\n<p>Im Prinzip geht es zu wie in einer guten K\u00fcche: Man nehme die Elemente aus verschiedenen F\u00e4chern, mische sie innerhalb eines Projektes und behandle diese Fusion nicht als inoffizielles Gebr\u00e4u, sondern als moderne Version eines zuvor antik strukturierten Lehrplans. Ja, ungef\u00e4hr so. Die \u201ecredit points\u201c sind dann der Stempel der Anerkennung.<\/p>\n<p>Ich kann mir zwar ein Lernen ganz ohne \u201ecredit points\u201c vorstellen, und es ist auch nicht so, dass ich ein Anh\u00e4nger dieses dynamisierten B\u00fcrokratismus bin, aber ich sehe ein, dass wir auf diese Weise vern\u00fcnftige Dinge tun k\u00f6nnen, ohne die schulische Anerkennung der Anstrengungen unserer Kinder zu riskieren. Chalee sei Dank.<br \/>\n<strong><br \/>\n9. M\u00e4rz<\/strong><\/p>\n<p>Die 1787 in Berlin geborene Emma Hart, die nach ihrer Auswanderung Dr. John Willard heiratete, Emma Willard also, setzte sich 1819 in einem Schreiben an das Repr\u00e4sentantenhaus von Vermont f\u00fcr die Bildung von Frauen ein, sie schrieb eine Art \u201eMagna Charta for Higher Education of Women in America\u201c. 1819 er\u00f6ffnete sie eine M\u00e4dchenschule, die heutige Emma Willard School im Bundesstaat New York.<\/p>\n<p>Am 9. M\u00e4rz 2012 gegen 9:30 Uhr erreichen zwei Minibusse das Tor der School for Life. Etwa zwanzig M\u00e4dchen der Emma Willard School, ein Club temperamentvoller Vierzehn- bis F\u00fcnfzehnj\u00e4hriger, klettern aus den Bussen. Es sind Sch\u00fclerinnen aus verschiedenen L\u00e4ndern, die von unseren Kindern mit gro\u00dfem Hallo empfangen werden. Auch sie wollen eine Hauswand mit bunten Figuren verzieren und au\u00dferdem mit den Kindern tanzen und spielen und zeigen, dass Emma Willard ihnen ein wichtiges Vorbild ist. Ihr Portrait haben sie dabei und halten es hoch als sie sich zum Gruppenfoto versammeln.<\/p>\n<p><strong>10. M\u00e4rz<\/strong><\/p>\n<p>Dominique Leutwiler traf im Poloclub von Pattaya Harald Link, den Besitzer, und sprach mit ihm \u00fcber die Weiterentwicklung des Projektes \u201eAusbildung zum Pfer\u00addepfleger\u201c. Link, zun\u00e4chst abgelenkt durch Anrufe und all das, was die Aufmerk\u00adsamkeit eines Managers eines gro\u00dfen Unternehmens, der den Club als Hobby betreibt, so eben noch ablenken kann, erfasste pl\u00f6tzlich die f\u00fcr Thailand singul\u00e4re Anlage und den Wert des Projektes und war begeistert. Jetzt soll es zusammen weitergehen.<\/p>\n<p>\u00dcberall im Clubhaus Fotos, auch solche von den beiden englischen Prinzen Harry und William, die hier Polo gespielt haben. Die Nachfragen nach Pferdepflegern, die Karriere machen k\u00f6nnen, ist viel gr\u00f6\u00dfer als sie gegenw\u00e4rtig von unserem Projekt erf\u00fcllt werden kann. Also ist Ausbau angesagt.<\/p>\n<p>Harald Link fragte, ob wir Pferde auf dem Farmgel\u00e4nde haben. Nein, haben wir nicht. Er sagte, na, dann w\u00fcrde er ein paar Pferde zu uns schicken, und wir k\u00f6nnten die Kin\u00adder fr\u00fchzeitig an die Tiere gew\u00f6hnen. Chanmongkol freut sich schon darauf, einen Teil des Gel\u00e4ndes in eine Ranch zu verwandeln oder mit einem Nachbarn zusammen\u00adzuarbeiten.<\/p>\n<p>Das Projekt \u201eAusbildung zum Pferdepfleger\u201c verursacht Kosten. Auf dem Weg zu einem Memorandum of Understanding werden wir \u00fcberlegen, wie wir uns die Investitionen von den Abnehmern zur\u00fcckholen und den Gemeinkostenanteil zugunsten der School for Life so definieren, dass mehr gedeckt wird als nur die Kosten.<\/p>\n<p><strong>12. M\u00e4rz<\/strong><\/p>\n<p>Der Vizegouverneur der Provinz Chiang Mai, Pairoj Sangpoowong, wollte gern kommen, musste aber ausgerechnet heute zur verfassungsgebenden Versammlung nach Bangkok. Der Vorstand der School for Life Foundation tagt im Farmhaus der School for Life. Anwesend sind Chamnang Chanruang, Gouverneur von 65 Rotary Clubs in Nordthailand und Senior Legal Expert am Verwaltungsgerichtshof von Chiang Mai, Mary Kelly in Vertretung ihres erkrankten Mannes Matthew, der fr\u00fcher bei den \u201eGreatful Dead\u201c spielte und heute der Amicus Foundation vorsteht, Prof. Dr. Apichai Puntasen, der Direktor des Rural &amp; Social Management Institute under Royal Patronage in Bangkok, Siriporn Hanfaifa, Schuldirektorin, Dominique Leutwiler, General Manager, und ich. Auch Manoon Kalapat und Chanmongkol Trisri sind als Sachverst\u00e4ndige mit dabei.<\/p>\n<p>Wir diskutieren die Schulentwicklung, die Finanzen, die neue Leitungsstruktur und die langfristige Sicherung der School for Life. Ich gebe bekannt, dass im n\u00e4chsten Jahr die School for Life zehn Jahre alt wird und ich 75 Jahre alt werde, und dass ich mich Ende 2013 aus allen operativen Angelegenheiten zur\u00fcckziehen und mich nur mehr mit vergn\u00fcglichen Angelegenheiten der p\u00e4dagogischen Innovation befassen wolle. Und dass es deshalb Sinn mache, bis zu diesem Zeitpunkt eine Vereinigung der F\u00f6rderer der School for Life zu gr\u00fcnden, die die Existenz des Projektes langfristig sichert, F\u00f6rderer, die zur H\u00e4lfte aus Thailand und zur anderen H\u00e4lfte aus Deutschland und der weiten Welt kommen.<\/p>\n<p><strong>13. M\u00e4rz<\/strong><\/p>\n<p>Tag des Abschieds, Tag der Freude, Tag der Wehmut: Graduation Day. Die Absol\u00adventen der 9. Klasse werden verschiedene Wege einschlagen: Richtung Senior High School im nahen Doi Saket, Richtung Technical College in Chiang Mai oder in Rich\u00adtung einer beruflichen Ausbildung. Die meisten bleiben w\u00e4hrend der n\u00e4chsten drei Jahre bei uns, entweder indem sie t\u00e4glich hin- und herfahren und weiter auf dem Campus wohnen oder wie die angehenden Pferdepfleger ein Stadthaus beziehen und dort von uns weiter betreut werden.<\/p>\n<p>Um 9:00 Uhr versammeln sich alle im inzwischen von den Bangladeshis buntbemal\u00adten Seminarhaus. Die \u201aGraduates\u2018 bekommen Blumen an das Revers geheftet. Anspra\u00adchen, T\u00e4nze, Gel\u00e4chter \u2013 und Tr\u00e4nen, nicht nur bei den Kindern. Der Schulsprecher muss seine Rede abbrechen, weil ihm die Augen \u00fcbergehen. Er spricht von der gl\u00fccklichen Zeit, die er hier gehabt habe und sagt, wenn aus ihm etwas geworden sei, wolle er wiederkommen und der School for Life zur Seite stehen. Ich glaube auch, dass aus den ersten Generationen der School for Life-Absolventen einige besonders f\u00e4hige als Lehrer zu uns zur\u00fcckkommen wollen. Wir werden sie wie alle Ehemaligen sehr willkommen hei\u00dfen.<\/p>\n<p>Nun, da die Veranstaltung ihrem Ende entgegengeht, bekommen alle Absolventen der Junior High School ihre Dokumente feierlich \u00fcberreicht. Und dann wird einem besonders sch\u00f6nen Brauch gefolgt: Alle Erwachsenen binden den Graduierten kleine wei\u00dfe B\u00e4nder um das Handgelenk und w\u00fcnschen alles Gute. Viele Umarmungen und wieder Tr\u00e4nen.<\/p>\n<p>Die wundersch\u00f6nen Blumengestecke werden ins Freie auf den Sportplatz getragen: Gruppenfoto. Die Kameras klicken. Die Gesichter strahlen wieder. Am Abend dann eine Grillparty vor dem Farmhaus mit den gefeierten Absolventen und Lehrern. Eine Leinwand ist aufgestellt, Texte spulen auf ihr ab, und die Karaoke-Ges\u00e4nge t\u00f6nen noch bis tief in die Nacht hinein.<\/p>\n<p>Danach Stille. Nein. Ein Hund, der jede Nacht offenbar Gespenster sieht, f\u00e4ngt wie wild zu kl\u00e4ffen an. Kein anderer Hund bellt mit. Die anderen wissen schon, dass dieser Hund nicht ganz bei Trost ist.<\/p>\n<p><strong>15. M\u00e4rz<\/strong><\/p>\n<p>Am sp\u00e4ten Abend zuvor hat ein kurzer, heftiger Gewittersturm die Bl\u00e4tter von den B\u00e4umen gefegt, Zweige heruntergerissen, ein Dach abgehoben und einen Baum gef\u00e4llt. F\u00fcr vierzehn Stunden ist kein Strom da. Niemand leitet am Morgen die Aufr\u00e4umarbeiten, jeder hat seinen Bereich und wei\u00df, was zu tun ist.<\/p>\n<p>Die Ferienzeit beginnt. Viele Kinder machen sich auf den Weg in ihre D\u00f6rfer, andere werden von Lehrern in deren D\u00f6rfer mitgenommen, wieder andere bleiben auf der Farm.<\/p>\n<p>Die Schul- und die Familienlehrer versammeln sich und gr\u00fcnden vierk\u00f6pfige Teams: Team A f\u00fcr den Kindergarten, Team B f\u00fcr die Klassen eins bis drei, Team C f\u00fcr die Klassen vier bis sechs der Grundschule und Team D f\u00fcr die Klassen sieben bis neun der Junior High School. Jedes Team betreut zugleich eine Familie mit Kindern. Vier und nicht wie bisher zwei P\u00e4dagogen \u00fcbernehmen die Rolle von Eltern. Jedes Team tr\u00e4gt Verantwortung f\u00fcr schulisches und au\u00dferschulisches Leben. Die Lehrer wollen die Bildung von Subkulturen \u2013 hier der Schul- und dort der Familienbereich \u2013 \u00fcberwinden. Mir gef\u00e4llt diese Integration. In der Internatslandschaft findet man entweder die Struktur \u201aSchule\u2018 versus \u201aInternat\u2018 mit Lehrern und Mentoren oder die Figur \u201aSchullehrer und Mentor in einer Person\u2018. Das hatten wir auch mal, aber diese Praxis f\u00fchrte zur \u00dcberlastung der Lehrer und zu weniger Zeit f\u00fcr die Unterrichtsvorbereitung.<\/p>\n<p>Das Modell der Integration beider Bereiche wird im n\u00e4chsten Semester erprobt werden, und eine seiner Chancen besteht darin, dass wir dann die \u00fcbliche Tageseinteilung \u2013 vormittags Unterricht, nachmittags Projekte und andere Aktivit\u00e4ten \u2013 durchbrechen k\u00f6nnen zugunsten eines Rhythmus, der nicht nur kindgem\u00e4\u00dfer, sondern von der Sache her naheliegender ist: Es macht Sinn, sich am k\u00fchleren Morgen oder Sp\u00e4tnachmittag der organischen Landwirtschaft zu widmen und am \u00fcbrigen Tag Schul-, Projekt- und freie Zeiten so zu mischen, das keine starre Routine eintritt.<\/p>\n<p>Die Lehrer sind sehr zufrieden mit ihrer Teambildung. Gegen Ende des Treffens \u00fcben die alten mit den neuen Lehrern die beiden School for Life-Lieder ein und zeigen ihnen, was wir unter \u201emake power\u201c verstehen. Wir bilden einen engen Kreis, legen zur Mitte hin die H\u00e4nde \u00fcbereinander, z\u00e4hlen bis drei und rei\u00dfen die Arme mit einem kr\u00e4ftigen \u201eSchool for Life-yeah!\u201c hoch. Wir machen das seit neun Jahren so.<\/p>\n<p>Um 17:30 Uhr beginnt die Abschlussparty f\u00fcr alle Mitarbeiter im Freien vor dem Farmhaus. Grill, Tanz und Karaoke. Die Stimmung ist ausgelassen. Chanmongkol sinniert mit Sampan dar\u00fcber, wie er Brauchwasser kl\u00e4ren und zur Bew\u00e4sserung einsetzen kann. Der Fahrer Tub findet, dass er eigentlich ein bisschen mehr Gehalt brauche, weil er, wenn er unterwegs sei, das Essen selbst bezahlen m\u00fcsse. Die K\u00f6chin tanzt Rock\u2019n Roll. Ein halber Mond steht am Himmel. Auch gegen Mitternacht singen Hartn\u00e4ckige immer noch weiter. Irgendwann in der Nacht wird alles aufger\u00e4umt. Es geht blitzschnell. Und dann ist Ruhe.<\/p>\n<p>Nein, nicht ganz. Der Hund, der Gespenster sieht, f\u00e4ngt wieder an zu heulen. Kein anderer Hund macht mit. Nur ein Frosch. Den hat der st\u00fcrmische Regen zu fr\u00fch aus seinem Erdloch gelockt. Nun quakt und lockt er vergeblich. Kein anderer Frosch antwortet. Der Hund, der Gespenster sieht, und der einsame Frosch sind ein ungleiches Paar in der Nacht vor dem Tag, an dem ich meine Sachen packe und in den S\u00fcden aufbreche, zur anderen School for Life.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tageb\u00fccher &#8211; Aufzeichnungen von J\u00fcrgen Zimmer \u00fcber die School for Life Chiang Mai &nbsp; 14. Februar bis 15. M\u00e4rz 2012 14. 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